Über das Geld
Eine kurze Einführung in die Thematik

Historisch-theoretischer Hintergrund
Entwicklung des Ansatzes von Bernd Striegel
Zielsetzungen

Silvio Gesell hat zahlreiche Widersprüchlichkeiten zwischen der Ökonomie, wie sie tatsächlich ist, und der orthodoxen Lehre, die sie angeblich beschreibt, aufgezeigt, beschäftigte sich andererseits jedoch nicht näher mit der Herkunft des Geldes und damit seiner ursprünglichen Bestimmung. Es erschien ihm dies eher nebensächlich zu sein, war doch das Ziel seiner Anstrengungen mehr auf ihre praktische Verwendbarkeit hin gerichtet als theoretischen Sophistereien gewidmet. So übernahm er die auf den ersten Blick auch einleuchtend erscheinende gängige Ansicht, das Geld hätte sich ursprünglich aus dem Warentausch entwickelt (Tauschparadigma).

Die Freiwirtschaftslehre baut bis heute unverändert auf dieser Vorstellung auf und erkennt folgerichtig in der "Tauschmittelfunktion" die eigentliche, genuine des Geldes, welcher alle anderen ("Recheneinheit", "Zahlungsmittel", "Wertaufbewahrungsmittel") historisch wie funktional nur nachgeschaltet seien.

Gerade deshalb aber, weil sich die Freiwirtschaftslehre in diesem letztlich alles entscheidenden Ausgangspunkt von der orthodoxen Lehre nicht unterscheidet, welche nämlich ebenfalls beim Tauschparadigma ihre Startposition eingenommen hat, tut sie sich bis heute schwer, dieser ein theoretisch ausgereiftes und überzeugendes Gegenmodell des Geldes wie des Wirtschaftens entgegenzustellen.

Nachdem erste Versuche des Autors, seine aus der Literatur gewonnenen Einsichten zum Wesen des Geldes schriftlich zu fassen, das Ergebnis geliefert hatten, daß er selbst sich von seiner eigenen tauschtheoretischen Argumentation der Geldentstehung nicht überzeugen ließ, beschloß er, noch mehr Informationen zum Thema einzuholen und stieß schließlich glücklicherweise auf die fast noch taufrische "Eigentumstheorie des Wirtschaftens" von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger.

Diese erkennt, im Widerspruch zu allen anderen (dem Autor bekannten) Geldmodellen, nicht im Tausch, sondern im Rechtstitel Eigentum den Ursprung des Geldes: das Eigentum, historisch, nach Heinsohn/Steiger, mit der Gründung der antiken Stadtstaaten Athen oder Rom in die Welt gekommen, hat die Eigenschaft, Besitz durch Verpfändung ökonomisch nutzbar zu machen, ohne ihm dabei gleichzeitig verlustig zu gehen. Man verpfändet also etwa sein eigenes Stück Land zur Kreditaufnahme und kauft mit dem Pfandwert Landmaschinen oder Saatgut ein, mit welchen man wiederum genau dasselbe Stück Land weiter bewirtschaftet, es also weiterhin nutzt, unverändert in Besitz hat.

Eigentum ist also ein immaterieller Rechtstitel, Besitz zeigt ein Nutzungsrecht an bestimmten Sachen an.

Und genau das ist der entscheidende Punkt! Denn mittels einer Tauschoperation könnte so etwas niemals gelingen: entweder man behält sein Stück Land, dann bekommt man aber gleichzeitig nichts weiter dafür, oder man tauscht es weg, und dann hat man auch selbstverständlich kein Anrecht mehr darauf, es weiterhin nutzen zu dürfen. Es ist damit auch klar, daß aus tauschtheoretischen Überlegungen heraus allein niemals ökonomische Konstrukte entstehen können, in welchen plötzlich Eigentumsoperationen ablaufen.

Daraus allein ergibt sich bereits schon unmittelbar die Erklärung dafür, wieso eine tauschtheoretische ökonomische Lehre nicht bis zum eigentlichen Kern der Geldverfassung vordringen kann, wieso sie auch nicht zu einem wirklichen Verständnis des Kreditvertrages gelangt, wieso sie wenig Überzeugendes zur Notwendigkeit der dortigen Stellung von Sicherheitspfändern beitragen kann oder man vor ihr gar zum Ursprung des Zinses eine auch nur einigermaßen standhafte Herleitung präsentiert bekommen wird. Ja, überhaupt zu Sinn und Zweck der Gelderfindung an sich wird sie niemals vorstoßen können. Wenn nicht klar ist, wozu es erfunden worden ist, dann wird auch nie jemals verstanden werden können, wieso das Geld so ist, wie es ist. Ohne eine Ahnung davon, was das Ziel der Gelderfindung war, wohin der Weg führen sollte, den man mit ihr einst beschreiten wollte, wird man diesen Weg aus der dunklen Höhle der Unkenntnis auch niemals nachvollziehen und wiederauffinden können. Dann, aber auch nur dann, wird Geld ewig ein Mysterium bleiben.

Diese epochale Erfindung, die erstmalige ökonomische Separation von Eigentumsrecht und Nutzungsrecht, die Auftrennung in Eigentumsoperation (Verpfändung) auf der einen und reiner Besitzoperation (Tausch, übrigens auch Leihe) auf der anderen Seite markiert nun, nach Ansicht von Heinsohn und Steiger, überhaupt erst den Beginn des Wirtschaftens an sich. Die neue Eigentumsgesellschaft unterscheidet sich dabei nicht nur in ihrer ökonomischen Verfassung zur bis dahin ausschließlich geübten bloßen Besitzverteilung mittels verwandtschaftlich oder herrschaftlich begründeter Verteilungsschlüssel in allen bis dahin bekannten Gesellschaftformen (Jäger und Sammler, Stämme, feudale Gesellschaften), welche übrigens das Eigentum allesamt und ausnahmslos nicht kannten. Mit dem Eigentum entstehen nach Heinsohn/Steiger überhaupt erst Staat und Recht. Jedenfalls gehorcht das neue "Römische Recht" völlig anderen Prinzipien als die althergebrachten Feudal- oder Stammesrechte. So sind etwa die Pflichten und Ansprüche des Einzelnen wie der Allgemeinheit verändert und auch die Bedingungen zur Teilnahme an der Gestaltung des Staatswesens sind völlig andere.

Nur, weil Rom produktive und innovative Ökonomie betrieb, so ihre Schlußfolgerung, wurde es, trotz seiner eher mickrigen Ursprünge am Rande der damals bekannten Welt, allen seinen rückständigen Nachbarn überlegen, wurde übermächtig und schließlich Beherrscher der ganzen damals bekannten Welt.

Vom historischen Exkurs zurück zum Schuldnerpfand:

Das Pfand (in unserem Beispiel das Stück Land) selbst ist in Besitzseite (Nutzungsseite) und Eigentumsseite (Rechtstitel) aufgespalten. Im Gegensatz dazu verweigern jedoch Heinsohn und Steiger - aus dem Autor unerklärlichen Gründen - dem durch Eigentumsoperationen in die Welt kommenden Geld gerade die naheliegende Aufspaltungmöglichkeit in ebenfalls Besitz- und Eigentumstitel. Indem sie nämlich vom Kreditvertrag behaupten, er stelle nur eine Plattform zur Übertragung von Eigentumsansprüchen dar, nicht jedoch auch von Besitz, billigen sie dem Geld selbst ebenfalls nur Eigentumscharakter und keine Besitzeigenschaften zu.

Diese theoretische wie praktische Aufspaltbarkeit des Geldes in Besitztitel und Eigentumstitel ist nun jedoch nach Ansicht des Autors aber gerade das, was die überragende Funktionalität und ökonomische Potenz des Geldes erst ausmacht. Denn erst durch Spiegelung der Real- und Rechtssphäre der Pfandstellungen in Kreditverträgen mittels äquivalenter Geldbegriffe und -titel gelingt es nun, die materiell ablaufenden Wirtschaftsprozesse mit Hilfe von immateriellen Wertträgern (Geld) richtig auszudrücken und zu mobilisieren. Oder kurz gefragt: "Wenn im Kreditvertrag keine Besitzübertragungen stattfinden sollen, wozu ist er dann nütze?"

Die Identifikation des Bargeldes als Besitz(titel), mit der einzig ihm allein (!) verliehenen Zahlungsmittelfunktion (das ist die Fähigkeit Schulden zu tilgen), und der theoretischen wie praktischen Separation vom Eigentumstitel (Bar-)Geldforderung (das sind etwa Kontoguthaben; allgemein alle Arten zinsziehender Titel, die auf Geld lauten) ermöglicht nun den Aufbau, die Neukonstruktion eines Geldmodelles, welches es ermöglicht etwa folgende Dinge erfolgreich in Angriff zu nehmen:

Einige dieser Versuche hat der Autor mittels der von ihm aus der Eigentumstheorie des Wirtschaftens heraus entwickelten, von ihm selbst so bezeichneten "Eigentumstheorie des Geldes" bereits teilweise unternommen.

So hat er etwa bereits eine Erklärung zur Herkunft des Kapitalzinses ausgearbeitet oder dargelegt, wieso der Begriff "Giralgeld" irreführend und unzutreffend ist. Als Lösungskonzept zur Zinseszinsproblematik hat sich das Gesellsche Modell der "umlaufgesicherten Währung" verifizieren lassen.